Hans Hermsen
Kapitel 03 — VereineHans Hermsen

Kapitel 03

03

Vier Vereine, vier Arten, nicht allein zu sein.

Man kann in Rente gehen und dann zu Hause sitzen. Man kann auch weitermachen, nur ohne Gehalt. Ich habe mich für das Zweite entschieden — in einem Chor, in dem ich Tenor singe, einer Solidargemeinschaft, einem Bildungsnetzwerk und einem Heimatverein.
Warum überhauptHans Hermsen

Das Register

Ein Verein ist eine Schule für Erwachsene.

Hans Hermsen bei einem Vortrag: Er zeigt auf eine Bildtafel mit Porträts aus dem 19. Jahrhundert
Vortrag über Georg Herwegh — Arbeit im Geschichts- und Heimatverein Maulbronn.Eigenes Foto von Hans Hermsen.

37 Jahre lang war ich derjenige, bei dem die Leute im Raum sassen, weil er den Kurs gab. In einem Verein ist das anders herum: Da sitzt man neben Leuten, die man sich nicht ausgesucht hat, und muss sich einigen. Genau dieses Einigen-Müssen ist der Grund, warum ich in vier Vereinen bin und nicht in keinem.

Die vier haben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun — Singen, Gesundheit, Bildung, Ortsgeschichte. Auf den zweiten Blick geht es in allen vieren um dasselbe: Menschen tun zusammen etwas, das einer allein nicht hinbekommt, und sie tun es freiwillig. Das war schon am Oberstufen-Kolleg mein eigentliches Thema.

Die vier im EinzelnenHans Hermsen

01 · Der Chor

Chor Harmonie Diefenbach

Singen im Nachbarort

Diefenbach gehört zu Sternenfels und liegt ein paar Autominuten von Knittlingen entfernt. Bei der Harmonie singe ich im Tenor mit. Tenor heisst: Man hat die Linie, die heraussteht, und man muss sie halten, auch wenn daneben vier Bässe etwas anderes wollen. Ich singe dort also nicht mit, um dabei zu sein — ich singe eine Stimme, und wenn ich sie nicht singe, fehlt sie.

02 · Die Solidargemeinschaft

Artabana

Solidargemeinschaft für Gesundheit

Artabana ist keine Versicherung, sondern eine Gemeinschaft, in der Menschen füreinander einstehen, wenn jemand krank wird. Das Prinzip ist alt und einfach: Man kennt sich, man redet miteinander, man entscheidet gemeinsam, wofür das gemeinsame Geld verwendet wird. Es gibt keinen Sachbearbeiter, der einen Antrag ablehnt — es gibt Leute, die am Tisch sitzen und eine Entscheidung verantworten müssen. Genau deshalb bin ich dabei.

03 · Das Bildungsnetzwerk

CBS-Netzwerk

Coaching Beratung Supervision

Im CBS-Netzwerk gehören Bildung und Soziales zusammen statt in getrennte Ressorts — dieselbe Verbindung, die mich schon am Oberstufen-Kolleg beschäftigt hat. Wer aus schwierigen Verhältnissen kommt, scheitert selten am Stoff und oft an allem drumherum. Hier rede ich mit, und ich höre zu, wenn Menschen, mal jüngere mal ältere, erzählen, wie es heute ist.

04 · Der Heimatverein

Geschichts- und Heimatverein Maulbronn

Ortsgeschichte und Museum

Der vierte im Bunde ist der Geschichts- und Heimatverein Maulbronn mit seinem Museum auf dem Schafhof. Ortsgeschichte interessiert mich, weil sie konkret ist: Häuser, Wege, Leute, Jahreszahlen, die man nachprüfen kann. Ein Museum ist dafür der geduldigste Ort, den es gibt. Auf der Vereinsseite steht, worum es dem Verein geht; das Museum selbst gibt es zusätzlich als Wiki zum Nachlesen — Erdgeschoss, Obergeschoss, Dachgeschoss, die Maulbronner Originale und die Maulbronner Köpfe von Herwegh über Hölderlin und Kepler bis Hesse. An diesem Wiki haben viele Leute mitgearbeitet; ich habe dafür Interviews abgetippt.

Im Tenor kann man sich nicht verstecken. Fehlt die Stimme, merkt es der ganze Saal.

Hans Hermsen
Das Museum auf dem SchafhofHans Hermsen

Maulbronn

Museum im Schafhof

Wir wohnten nach dem Umzug von Bielefeld nach Maulbronn im Schafhof, dem früheren Wirtschaftszentrum des Klosters Maulbronn. Seit 2009 befindet sich dort ein Museum. Ich habe mich in die Geschichte des Ortes eingearbeitet und begleite gerne Schulklassen bei ihren Besuchen.

Seit April 2026 ist das Museum auch digital zu erleben: Die Gruppe für Medien und Digitales des Geschichts- und Heimatvereins hat eine eigene Plattform aufgebaut, zu finden unter museum-auf-dem-schafhof.de.

Der ganze Bericht: Schafhof-Museum jetzt wieder digital erlebbar

Am Freitag, 24. April 2026, stellte die Gruppe für Medien und Digitales des Geschichts- und Heimatvereins Maulbronn (GHV) im Museum auf dem Schafhof ihre neue digitale Museumsplattform vor. Zur Präsentation waren neben Vereins- und Vorstandsmitgliedern auch Freunde und Unterstützer des Projekts gekommen.

Der zweite Vorsitzende Peter Krüger hob die Bedeutung der neuen Plattform für die zukünftige Entwicklung des Museums hervor. Auch der anwesende Webentwickler und Betreuer verschiedener Museumsseiten, Peter Schmelze, würdigte das Engagement der Arbeitsgruppe.

Anlass für das Projekt waren technische Probleme bei der bislang genutzten Plattform, die seit Dezember 2024 nicht mehr erreichbar war. Unabhängig davon entschied sich der Verein Anfang 2025, eine eigene digitale Lösung aufzubauen – mit voller Kontrolle über Inhalte und Technik.

In mehr als zwölf Monaten Arbeit entstand so eine umfassende digitale Wissensplattform („Wiki“), die das Museum virtuell ergänzt. Besucherinnen und Besucher können sich bereits vorab informieren und Exponate entdecken, die vor Ort nur eingeschränkt gezeigt werden können. Dazu zählen unter anderem ein umfangreiches Herbarium, ein historisches Giftbuch sowie Berichte und Erzählungen – teilweise mit Originaltonaufnahmen.

Mit dem neuen Angebot schafft der GHV Maulbronn einen modernen Zugang zur regionalen Geschichte und lädt dazu ein, das Museum auf dem Schafhof digital und vor Ort neu zu entdecken.

Die Plattform wird von einer kleinen Gruppe Ehrenamtlicher betreut. Sie recherchieren, digitalisieren und strukturieren historische Materialien und entwickeln das Angebot kontinuierlich weiter. Interessierte können sich jederzeit einbringen.

Die Gruppe für Medien und Digitales betreut zudem die Internetseite des Vereins und war massgeblich an der Neugestaltung des Museumsflyers beteiligt.

Der weite Klosterhof von Maulbronn mit dem Fachwerkbau und den Arkaden der Klosterkirche, Bäume im Sommerlicht
Kloster Maulbronn — der Schafhof war sein Wirtschaftszentrum, heute steht dort das Museum.Eigenes Foto von Hans Hermsen.
Ein VortragHans Hermsen

Die Wege des Georg Herwegh

In Liedern, Texten und Analysen — ein Abend des Geschichts- und Heimatvereins Maulbronn: „Mein ganzer Reichthum ist mein Lied“.

Georg Herwegh (1817–1875) war Seminarist in Maulbronn, hat in Tübingen Theologie und Jura studiert und sich dann als Schriftsteller und aktiver Kämpfer für die bürgerlich demokratische Revolution (1848) stark gemacht. Sein wohl bekanntestes Stück ist das „Bundeslied des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins“: „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“.

Als einer der 10 Maulbronner Köpfe ist Herwegh vom Knittlinger Bildhauer Hatto Zeidler portraitiert.

Vortragstafel mit dem Text über Georg Herwegh, daneben die Bronzebüste des Dichters im Grün
Die Büste von Hatto Zeidler — eine der Tafeln aus dem Vortrag.Aus dem Archiv von Hans Hermsen.
Einladung des Geschichts- und Heimatvereins Maulbronn zum Vortrag „Mein ganzer Reichthum ist mein Lied“ von Dr. Hans Hermsen, mit seinem Porträt und der Herwegh-Büste
Die Einladung zum Vortragsabend.Aus dem Archiv von Hans Hermsen.
Beim Chor in DiefenbachHans Hermsen

Wo der Chor zu Hause ist.

Die Kelter in Diefenbach ist der Begegnungsort für viele Veranstaltungen des Chores Diefenbach — Gemischter Chor und FellHarmony, der Frauenchor.

Fest vor der Kelter in Diefenbach: Fachwerkhäuser, lange Biertischreihen mit Gästen, dahinter der Kirchturm
Die Kelter in Diefenbach, der Begegnungsort für viele Veranstaltungen des Chores.Eigenes Foto von Hans Hermsen.
Der Chor singt in der Kirche vor dem Altarbogen, mit Noten in den Händen, links die Orgel, rechts die Chorleiterin am Klavier
Ein Auftritt in der Kirche — ich singe im Tenor mit.Eigenes Foto von Hans Hermsen.
Zeitungsseite mit der Überschrift „Musik als Begleiter für den Kopf und die Seele“ über die neue Chorleiterin Melinda Mauthe am Klavier
Melinda Mauthe, die neue Chorleiterin und Pianistin der Harmonie Diefenbach — den Bericht habe ich geschrieben.Zeitungsausschnitt aus dem Archiv von Hans Hermsen.
Weiter im HeftHans Hermsen

Im Chor singe ich Tenor.

Nicht mitgesummt, nicht zugehört: Tenor ist eine eigene Stimme, und wer sie singt, hält sie auch dann, wenn nebenan vier Bässe etwas anderes wollen. Die Lieder, die ich allein zur Gitarre singe, sind eine andere Sache — die stehen in Kapitel 04.

Die Lieder, die ich selbst singe

Mey, Süverkrüp, Degenhardt, Wader, Zupfgeigenhansel — Kapitel 04.

Kapitel 04 lesen

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