Eine Schule, die es so noch nicht gab
Das Oberstufen-Kolleg wurde 1974 gegründet, als Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen und zugleich als wissenschaftliche Einrichtung der Universität. Beides gleichzeitig — das war die ganze Idee und die ganze Schwierigkeit. Es war eine Schule mit Stundenplan und Zeugnissen, und es war eine Forschungsstelle, in der man prüfen wollte, ob es auch anders geht.
Das Oberstufen-Kolleg war ein Versuch, junge Menschen ein Abitur Plus zu ermöglichen. Sie machten nicht nur Abitur, sondern mit dem Abschluss erreichten sie manchmal sogar das Vordiplom oder die Zwischenprüfung in ihrem jeweiligen Fach, nicht in jedem, aber in vielen.
Für die meisten von uns hiess das: Man unterrichtete nicht einfach, man musste auch begründen, warum man so unterrichtete und nicht anders. Das ist anstrengend. Es ist aber auch das Einzige, was einen davor bewahrt, jahrelang denselben Fehler zu wiederholen.
Und gearbeitet wurde nicht in Klassenzimmern. Das Kolleg war eine offene Lernlandschaft: ein grosser, heller Raum mit niedrigen Trennwänden, Arbeitstischen, einer Galerieebene. Keine Türen, keine Bankreihen, kein Katheder. Wer dort unterrichtete, stand mitten im Haus.



